Die Sprache des Friedens

Die Sprache des Friedens

„Immer lässt du die dreckige Wäsche auf dem Boden liegen“, „Nie hast du Zeit für mich und hörst mir richtig zu“. Kennst du solche Sätze auch von dir und wunderst du dich immer noch, wenn du mit jemanden so sprichst, dass derjenige/diejenige in Kampfstellung geht und dir ähnliche Anschuldigungen an den Kopf schmeißt. Wünscht du dir mehr Verbindung, eine wertschätzendere und friedvolle Kommunikation? Dann lasse dich von diesem Ansatz inspirieren…..

Die Sprache, die einige Menschen im Alltag verwenden, habe ich schon in jungen Jahren oft als vorwurfsvoll, laut und somit unangemessen, empfunden. Ich wusste mir damals jedoch nicht zu helfen und habe mich automatisch angepasst, war selbst laut, schuldzuschreibend und abwertend in der Kommunikation, was mich aber sehr unzufrieden machte. Als ich schließlich mein Auslandssemester in Sydney verbracht habe, bin ich durch Alexandra, bei der ich für einige Zeit gelebt habe, auf die Gewaltfreie Kommunikation gestoßen. Sie hat sich zu derzeit zur GFK-Trainerin ausbilden lassen und mir angeboten an einem ihrer Workshops teilzunehmen. Das war eine Challenge und ein Geschenk zu gleich. Es war eine Challenge, da man häufig schon in seiner Muttersprache Probleme hat, gefühlsnah zu kommunizieren. In einer anderen Sprache, in dem Fall Englisch, war es umso schwieriger.

Der Workshop hat mir noch einmal aufgezeigt, dass die Sprache, die wir im Alltag verwenden oft unreflektiert und somit eher gewaltvoll ist. Wir geben Anderen häufig die Schuld, wenn uns etwas nicht passt oder Sie nicht das tun, was wir möchten. Dabei fallen Sätze wie: „Du bringst nie den Müll raus“, „Immer muss man dir alles zwei Mal sagen“. Wir projizieren dabei unsere Gefühle und die damit unerfüllten Bedürfnisse auf die andere Person und beschuldigen den Anderen für seine Handlungen oder sein passives Verhalten ohne konkret unsere Bedürfnisse zu äußern und Bitten zu formulieren. Es scheint, dass wir an der Schuldzuschreibung Spaß haben und vermeiden wollen in uns zu gehen oder auch die Seite des Anderen verstehen zu wollen. Doch sehnen wir uns insgeheim nicht alle nach mehr Frieden?

In dem Ansatz der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) von dem amerikanischen Psychologen Marschall Rosenberg geht es im Kern um Gefühle und Bedürfnisse. Sobald wir bestimmte Gefühle gegenüber anderen Personen oder in bestimmten Situationen haben, wissen wir, dass unsere Bedürfnisse entweder erfüllt oder unerfüllt sind. Das hängt davon ab, ob wir uns „gut“ fühlen oder einen Mangel spüren.
Anhand unserer Gefühle können wir dann an die dahinterliegenden Bedürfnisse kommen. Das klingt leichter als gedacht und ist in der Praxis eine stetige Aufgabe, denn wir haben in der schnelllebigen Zeit in der wir uns befinden, verlernt auf unser Inneres zuhören.
Wie fühle ich mich gerade und was brauche ich? wären zentrale Fragen der GFK. So ist es möglich sich mit sich selbst zu verbinden. Man selbst schenkt sich Aufmerksamkeit und Zeit und kommt somit dahinter, was man gerade für sich benötigt. Mit der Erkenntnis kann man Bitten an Andere formulieren und Ihnen mitteilen, wie sie dazu beitragen könnten damit die eigenen Bedürfnisse befriedigt werden können. Rosenberg formulierte 4 Schritte, die für eine gewaltfreie Kommunikation wichtig sind.

1) Beobachtung
2) Gefühle wahrnehmen
3) Bedürfnisse fassen
4) Bitte formulieren

Kritiker würden vermutlich behaupten, dass die GFK eine egozentrierte Sprache ist, was vermutlich zunächst durch den ungewohnten Sprachgebrauch den Anschein macht. Die eigene empathische Verbindung mit sich Selbst ist jedoch der Schlüssel zur Verbindung mit dem Anderen. Ein harmonisches Miteinander kann nur entstehen, wenn man sich seiner Selbst bewusst ist, sodass man auch die Fähigkeit erhält sich in den Anderen hineinzuversetzen. Durch die Ich-zentrierte Formulierung, wie im folgenden Beispiel deutlich wird, zeigt man dem Anderen was man braucht ohne ihn durch Beschuldigungen in der Du-Form in eine Angriffshaltung zu versetzen.
„Ich fühle mich durch den heutigen Arbeitsalltag erschlagen und wenn ich sehe, dass der Mülleimer wie heute morgen voll ist, bin ich sauer. Ich brauche bei der Hausarbeit mehr Verlässlichkeit und Ordnung. Wie ist das für dich, wenn du das hörst? Könntest du versuchen, den Müll gleich am Morgen mit rauszunehmen?“

Diese Art der Sprache ist für die meisten sicherlich neu. Es lohnt sich aber definitiv es Mal auszuprobieren. Hierzu gehört zu Anfang, die Angst zu überwinden und sich verletzbar zu zeigen, da man seinem Gegenüber seine Gefühle offen darlegt. Wer es jedoch einmal wagt, wird merken wie heilsam und friedvoll es sein kann. Für mich war der Workshop eine wahrhaftige Erkenntnis und ein Aha-Erlebnis. Seither ist die GFK ein wichtiges Werkzeug, welches ich versuche in mein Leben zu integrieren.
Willst Du auch mehr Frieden in deine Kommunikation bringen, dann folge deinen Gefühlen, zeige dich und ernte die Früchte der Verbindung!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.